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Mit großem Interesse verfolgte ich gestern Abend die Sendung, „Organspender sind Lebensretter!“ von „Beckmann“. Als ich die Gästeliste las, wusste ich allerdings im voraus, welchen Charakter
diese Sendung wieder haben wird. Gerne hätte ich mich eines besseren Belehren lassen, aber es kam, wie es immer kommt…

Gäste waren:
Michael Sommer (Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes) und seine Frau Ulrike Sommer (SPD-Politikerin und Autorin)
Mit einer Nierenspende rettete DGB-Chef Michael Sommer seiner Frau das Leben: In den vergangenen drei Jahren wurde Ulrike Sommer immer schwächer; ihr Körper wurde durch eine vererbte, unheilbare Zystenniere zunehmend vergiftet. Für Michael Sommer stand sofort fest, dass er seiner Frau hilft und ihr eine seiner Nieren spendet. In einer Doppel-Operation in diesem September glückte die Lebendtransplantation.

Ralf Schmitz (Comedian und Schauspieler)
Wie viele Andere hat auch er das Thema Organspende lange Zeit eher verdrängt. Heute besitzt Komiker Ralf Schmitz einen Spenderausweis – und engagiert sich mit einem außergewöhnlichen Kino-Spot. Er forderte auf, sich wenigsten damit auseinander zu setzen, und eine Endscheidung zu treffen, damit das später nicht die Angehörigen machen müssen. Das fand ich gut. Den Spot nicht.
Organspende ist keine Gaudi, sie kostet Leben, auf beiden Seiten!!

Sarah Gross (Studentin, die mit einem Spenderherz lebt)
Eine verschleppte Grippe entwickelte sich vor fünf Jahren zur gesundheitlichen Katastrophe: Ein unentdecktes Virus hatte das Herz der damals 17-Jährigen Schülerin angegriffen; sie kam schließlich mit schweren Herzrhythmusstörungen auf die Intensivstation. Ihre einzige Überlebenschance: ein neues Herz. Nach acht Monaten und zahlreichen enttäuschten Hoffnungen wurde für Sarah Gross endlich ein passendes Organ gefunden. Eine sympathische junge Frau, der man aber die Angst vor dem versagen ihres Herzens anmerkte. Sie vertrat auch die Meinung, das man niemanden zwingen solle, sondern das nur eine persönliche Entscheidung sei.

Mirjam Mosig (Mutter einer nierentransplantierten vierjährigen Tochter)
Als die Tochter von Mirjam Mosig mit nur minimal vorhandenem Nierengewebe zur Welt kam, rechneten die Ärzte mit geringen Überlebenschancen. Doch mit 22 Monaten konnte der heute vierjährigen Rebecca eine Niere ihres Vaters transplantiert werden. Nun hat Mirjam Mosig Angst, dass angesichts sinkender Spenderzahlen bei der nächsten notwendigen Transplantation keine passende Niere für ihre Tochter gefunden wird. Hat erzählt, wie krank ihre Tochter heute noch ist, und das die nächste Transplantation nur eine frage der Zeit ist. Ihr Plädoyer war entsprechend.

Prof. Bruno Meiser (Transplantationsmediziner)
Die Bereitschaft der Deutschen zur Organspende ist auf dem Tiefstand. Als Präsident der Vermittlungsstelle „Eurotransplant“ und Leiter des Transplantationszentrums der Münchener LMU ist Bruno Meiser täglich mit den Auswirkungen des Organspende-Skandals konfrontiert. Gemeinsam mit seinen Kollegen kämpft er dafür, dass die Organspendebereitschaft in der Bevölkerung wieder zunimmt. Er regte mich Zeitweise am meisten auf. Vertrat natürlich die bekannte Meinung Hirntod ist 100% sicher. Als Präsident der Eurotransplant, sicher einer der
“ Neutralen Ärzte“.

Insgesamt wurde ich, wie erwartet, bitter enttäuscht. Es war mal wieder eine reine DSO Werbeveranstaltung. Lebt eine Diskussion nicht von zwei Meinungen?
Natürlich waren nur Befürworter der Organspende geladen. Aber wen wundert es,keiner traut sich etwas dagegen zu sagen. Öffentlich im Fernsehen schon gar nicht!
Nichts, kein Wort von der Diskussion die zur Zeit überall geführt wird, und die entgegen
ihrer Ansicht nicht um den Skandal in Göttingen geht, sondern darum, das immer weniger Menschen, einschließlich vieler Ärzte, längst nicht mehr glauben, das der Hirntod der Tod des Menschen ist.
Einzigster Lichtblick war Frau Sommer, die sagte, das nur eine Lebend spende für sie in Betracht kam, da sie mit der Hirntod Problematik nicht zurecht käme, sie vielmehr ein Problem damit habe, das Menschen einfach als Tod erklärt würden. Das war ein Ansatz, der aber dann mit Erklärungen des Arztes ohne hinterfragen gleich „richtig“ gestellt wurde.
Ich bin nicht der Ansicht, das man den Menschen jedwede Informationen vorenthalten sollte, nur damit diese etwas tun, was angeblich im Interesse der Allgemeinheit liegt.
Glauben Sie, das es unser aller Interesse sein kann, das etwa 60 Millionen
Bürger alles tun, damit 12000 todkranke, ein vorüber gehendes besseres Leben haben,
das aber zwangsläufig auch eine folge Transplantation zur Folge hat?
Ich finde, gerade das öffentlich- rechtliche Fernsehen ist in der Pflicht, seine Zuschauer
umfassend zu informieren, auch über Aspekte, die dem einen oder anderen nicht in den Kram passen.
Dann kam natürlich wieder die dicke Moralkeule, in Form der altbekannten Anklage, das
wegen unserer Spendenverweigerung täglich 3 Menschen sterben.
Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand weiß, das diese Menschen auf der Warteliste, keineswegs sterben, weil niemand Organe spenden will, sondern weil sie Krank sind!!
So wie übrigens viele Millionen andere in Deutschland auch.
Und es ist meines Erachtens ein Versagen der Ärzte, das dieses Problem, nicht schon
mit Hilfe der heutigen Möglichkeiten der modernen Medizin in den Griff zu bekommen ist, und nicht ein Versäumnis unserer Gesellschaft !!
Menschen immer nur mit der Moralkeule zu erpressen, weckt auch nicht unbedingt die Hilfsbereitschaft der selben.
Wichtiger wäre es, den Menschen Fakten in die Hand zu geben, und ihnen selbst zu überlassen, was sie glauben und was nicht. Ob sich Beckmann schonmal Gedanken darüber gemacht, wie Spender Familien damit fertig werden, wenn sie NACHHER von den Zweifeln erfahren, die es bezüglich des Hirntodes gibt? Ich kenne einige, und weiß wie diese Menschen heute leiden.
Kann das ein Ziel sein? Das bezweifele ich. Alles hat zwei Seiten. Und beide Seiten
haben das Recht gehört zu werden. So wie eine Demokratie eben ist. Einseitiges Drängen zu einer bestimmten Sache, hat den Charakter eines Diktats.

…oder wie sehen sie das…