Nur Haut und Knochen…

Haben Sie einen Organspendeausweis? Ich hoffe doch nicht! Aber falls doch: Haben Sie schon gelesen, das dort auch was über Gewebespende steht? Nein? Nun ja, es ist schon leicht zu übersehen. Ob es mit Absicht so unscheinbar ist? Vielleicht weil die Gewebespende nicht so wichtig wie die Organspende ist? Kann sein,stimmt vielleicht auch, aber dafür ist sie wesentlich lukrativer!

Ein Körper kommt locker auf 250.000€ „Warenwert“

Ach, Sie wussten gar nicht, dass es die Gewebespende überhaupt gibt? Welche Gewebe gespendet werden können, wofür man sie verwendet? Nun, dann geht es Ihnen wohl so wie den meisten. Von der Organspende hat wohl fast jeder schon gehört, ist ja auch kein Wunder bei der groß angelegten Werbeaktion. Von der Gewebespende nicht.                                         Wenn Sie im Organspendeausweis ja angekreuzt haben, stimmen Sie ihr aber zu, es sei denn Sie wissen darüber Bescheid, und haben es explizit ausgeschlossen. Ansonsten steht der Zerteilung Ihres toten Körpers, nichts mehr im Wege.

 Aber man spricht nicht gerne darüber.Im Gegenteil,es scheint so, als ob die damit befassten Organisationen selber zur allgemeinen Desinformation beitragen. Vielmehr scheint man bemüht, das Thema Gewebespende, durch das zwar auch heiß diskutierte, aber angeblich positivere Thema Organspende zu übertünchen. Keine große Werbeaktion, kein Thema bei Aufklärungskampagnen. Öffentliche Debatten? Nein. Wie auch,wo es doch eh so gut wie niemand weiß.

Seit es 2007 das neue Gewebegesetz gibt, müssen Verstorbene zu Lebzeiten, oder stellvertretend ihre Angehörigen, ausdrücklich in die Gewebespende einwilligt haben. Dabei ist die Verwertung von Körpergewebe inzwischen so vielseitig, dass der Leipziger Zelltherapie-Professor Frank Emmrich, Mitglied des Deutschen Ethikrates, der Ansicht ist, eine Entscheidung dürfe nur der künftige Spender selbst treffen. Allerdings ist nicht vorgeschrieben, wie umfangreich Betroffene im Aufklärungsgespräch informiert werden müssen. Wobei ich mich frage: Welches Aufklärungsgespräch?

Mitzuteilen gäbe es schon was: z.B, dass eine Leiche heute quasi von Kopf bis Fuß verwertet werden kann, und auch wird.

Die Gewebespende ist mit der Organspende einfach zum Mitläufer geworden. Gewebe rettet aber kein Menschenleben, dafür übertrifft der Gebrauch von Gewebe die Organspende mittlerweile bei weitem. Etwa 4500 Menschen bekommen in Deutschland jährlich ein Organ verpflanzt, aber mehreren Zehntausenden wird Gewebe transplantiert. Zu „Gewebe“ gehört:

  • Blutgefäße

  • Augenhornhaut

  • Haut

  • Herzklappen

  • Sehnen, Bänder und Bindegewebe

  • Knochen

  • Gehörknöchelchen
  • die Brustaorta
  • Muskelhaut des Oberschenkels, die Kniescheibe, Stücke vom Beckenkamm, Achillesferse bis hin zum Meniskus etc.

Es ist nahezu unbekannt, dass gespendetes Gewebe in gemeinnützigen Institutionen wie dem Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG) z.B gereinigt, aufbereitet und weiterverarbeitet wird. Knochen beispielsweise werden zu Knochenmehl gemahlen oder in gebrauchsfertige Formate gestückelt. Das Endprodukt ist nach geltendem Recht ein Arzneimittel und wird den Ärzten auf den üblichen Vertriebswegen zur Verfügung gestellt.

Der aktuelle DIZG-Katalog hat ein entsprechendes Angebot: hochwertige Knochenchips, „gemahlen mit der Spierings Bone Mill“. Komplette Achillessehnen und Patellasehnen mit vorgeformten Knochenansätzen. Menschliche Haut, zellfrei und gefriergetrocknet, in Größeneinheiten von einem Quadratzentimeter bis hin zu Gewebeflächen von 16 mal 24 Zentimetern. Weichgewebe, knorpelfreie Oberschenkelknochenköpfe, Teile des Schienbeins in Span- und Keilform.

Anders als Organe brauchen Gewebe nicht „frisch“ entnommen zu werden und ganz selten werden sie auch unmittelbar verpflanzt. Gewebebanken oder pharmazeutische Hersteller bearbeiten sie aufwendig und konservieren sie über Monate oder Jahre. Teilweise wird damit in der Pharmaindustrie gehandelt, wie mit Pillen. Und der Pharmaindustrie fallen immer neue Anwendungsmöglichkeiten für die menschliche Leiche ein. Tote dienen manchmal auch einfach dazu, lebende Zeitgenossen zu verschönern. Plastische Chirurgen unterspritzen Falten mit Haut von Leichen oder machen gerne damit die Lippen ihrer Patientinen voller. Ich glaube kaum,das dass im Sinn von Menschen ist, die mit ihrer Organspende etwas Gutes tun wollten. Der Spender lebt also nicht wie bei der Organspende in einem oder wenigen Empfängern weiter, sondern gleich in mehreren Personen! Für viele Menschen ist es schon ein Unterschied, ob Ärzte die inneren Organe entnehmen, um damit Leben zu retten, oder ob sie Haut vom Leichnam schälen, oder die Gehörknöchelchen aus den Ohren, um damit reiche Damen zu verschönern. Die Vorstellung, dass Teile des eigenen Körpers als Arzneimittel auf den Markt kommen und damit gehandelt wird wie mit allen Arzneimitteln, dürfte bei potenziellen Organspendern nicht gerade für Freude sorgen. Vom menschlichen Ersatzteillager zu sprechen ist da nicht unbedingt übertrieben.

Die Gewebespende sollte uns eigentlich mehr interessieren, als die Organspende. Als Organspender, müssen die Organe eines „Hirntoten“ zum Zeitpunkt der Entnahme noch durchblutet sein. Als Gewebespender eignen sich fast alle Verstorbenen. Die Zahl der potenziellen Spender erweitert sich also um fast alle Sterbefälle in Deutschland, etwa 850000 im Jahr.            Da macht die Bemühung um die Spendenbereitschaft gleich doppelt Sinn..                                                                                                  Die Möglichkeit, das Leichname fast aller Verstorbenen künftig auf die medizinische Verwendung ihres Gewebes hin untersucht werden, ist durchaus realistisch. Ich glaube aber, dass vielen Menschen eine solche Verwertung ihres Leichnams nicht gefallen dürfte, auch wenn sie einer Organspende selbst zustimmten. In Deutschland ist der Nachschub an Gewebe mit Inkrafttreten des neuen Transplantationsgesetzes allerdings ins Stocken geraten. Wenn Klinikärzte die Angehörigen potenzieller Organspender auch noch auf die Gewebetransplantation ansprechen müssen, hat man Angst, dass Familien ihre erteilte Einwilligung in die Organspende zurückziehen. Einige Kliniken verzichten deshalb mittlerweile darauf, nach Gewebe zu fragen.                                                                 Wahrscheinlich, weil sie sehr genau wissen, das Angehörige, erhielten sie die Information, was mit ihren Angehörigen noch alles so gemacht werden soll, schlicht und ergreifend das weite suchen würden.

Nach neuesten Zahlen, soll der Anteil derer, die wirklich einen Organspendeausweis haben, gerade mal bei 7%, und nicht bei 20% liegen. Wüßte jeder Spender, wirklich über die Gewebespende bescheid, würden wahrscheinlich ziemlich viele diese ausklammern, oder aber, aus Ärger über diese verschleierungs Taktik, es gleich ganz sein lassen. Meiner Meinung nach zu Recht.

 

…oder wie sehen Sie das….